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Etwas über Wiederholung der Mittel
von Dr. Konstantin Hering.
aus: Archiv für die homöopathische Heilkunst, Bd. 13 (1833), Heft 3, S. 67 - 95
Das Wort: Wiederholung, ist von Hahnemann gebraucht worden in dem Sinne, daß man ein antipsorisches Mittel nach mehreren anderen mit Nutzen auf's Neue geben könne, bei causticum, natr. mur. und sepia, was auch von einigen andern Mitteln gilt; dagegen es bei manchen Mitteln seltener der Fall ist, wie Hahnemann bei calcarea und acid. nitr. anführt, was auch von mehreren Mitteln noch außer diesen gelten kann. Solch eine Unterscheidung ist höchst wichtig; sie scheidet die mächtigen, umfassenden, antipsorischen Mittel, von den einseitigern, überhaupt seltener anwendbaren. Die erstern könnte man antipsorische Polychreste nennen.
Die Wiederholung eines Mittels im obigen Sinne müssen wir unterscheiden, als: Wiederholung nach Andern.
Eine zweite Art der Wiederholung ist die nach einem einzigen Zwischenmittel, die Wiederholung im Wechsel . Mir scheint diese, noch wenig besprochen, doch nicht unwichtig zu seyn. Schon kurze Zeit nach meiner ersten Bekanntschaft mit der Homöopathie 1822, habe ich eine Leberkranke mit Gelbsucht durch abwechselnden Gebrauch von ruta als Saft und ignatia IV , jeden dritten oder vierten Tag, in wenig Wochen dauernd geheilt. Später habe ich sehr oft, wenn ein kurzwirkendes Mittel und ein länger wirkendes beide theilweise die Symptome des Kranken deckten, mit beiden gewechselt und mit großem Erfolg. Dr. Ihm in Philadelphia heilte die Wassersucht bei einem Kinde durch abwechselnde Gaben bryonia und pulsatilla . Mehrere andere Fälle könnten hier angeführt werden. Auch wird man sehr oft mit großem Nutzen nach dem einen Mittel schnell das andre geben können, besonders nach den chronischen Mitteln ein akutes, so wie ich sehr oft nach sulphur das aconitum gegeben habe, nach silicea oder Zink die hepar sulphuris , nach Arsenik die nux , ohne daß hiedurch ein Aufheben der Wirkung bezweckt werden sollte. Es tritt in allen solchen Fällen eine dritte Wirkung ein, die denen Zeichen entspricht, durch welche beide Mittel sich voneinander unterscheiden. Daher es durchaus nicht anzurathen ist, prophylaktisch zwei Mittel im Wechsel zu geben, wie z.B. cuprum und veratrum wechselnd gegen Cholera, noch viel weniger gar eine ganze Reihe dieser entsprechenden Mittel. Gegen das, was sie gemein haben, werden sie dann am wenigsten schützen.
Gestützt auf die Annahme einer dritten, in der Mitte liegenden Wirkung, habe ich in chronischen Fällen zuweilen sogar das eine antipsorische Mittel dem andern schnell folgen lassen, wenn jedes nur einen Theil der Zeichen deckte, z.B. einem Leberkranken erst kali carb. , und einige Tage später carbo vegetabilis , und zwar mit ausgezeichnetem Erfolge. In ganz ähnlichen Fällen hatte weder das eine, noch das andere Mittel eine solche Heilung bewirken wollen.
Bisher habe ich meistens die kürzer und leichter wirkenden antipsorischen Mittel (so wie carbo veg., aurum, argentum, platina, cuprum, conium, colocynth, dulcamara, bellad., rhus, clematis, anacardium, staphisagria, thuya, sabina, sabadilla, moschus ) auf die mächtigeren, stärkeren folgen lassen, (z.B. auf causticum oder phosphor, natr. mur. oder kali mur., kali carbon., natrum carbon., calcarea, alumina, magnesia, silicea, agaricus, bovista, lycopodium, sepia, bulimus ). Eine nähere Anweisung hiezu kann allein die Diagnostik geben.
Mehr noch gehört hieher die Wiederholung eines Mittels im Wechsel mit einem Gegenmittel. Ich habe dies zuerst gelernt an colocynthis , und zwar bei der Anwendung im dry-belly-ache , dieser berüchtigten westindischen Kolik. Alle Fälle, die mir vorgekommen sind, wurden schnell und dauernd geheilt, und alle auf folgende Weise.
Die große Intensität des Übels, seine Neigung zur Wiederkehr, die gewöhnlichen traurigen Ausgänge in Lähmung der Hände (der Hebemuskeln am Vorderarme), fast unheilbare Durchfälle u. dgl., wodurch die Meisten, die einmal befallen wurden, in wenig Jahren verloren sind; ebenso sein deutlicher Übergang in Lepra - den ich einmal sah nach, wegen jener Krankheit gebrauchten, Schwefelbädern - bestimmte mich, das Mittel nicht blos riechen zu lassen, sondern zu geben, wie bei allen andern psorischen Übeln als X0. Ich habe immer nur Körnchen von Senfsaamengröße, nicht wie sie in manchen Taschenapotheken sich vorfinden, von der Größe des Taubenhagels. Jedoch die sogleich erfolgende Verschlimmerung überstieg alle Begriffe. Ich lies augenblicklich schwarzen Kaffeetrank theelöffelweise nehmen bis zum Nachlassen. Nach sechs, zwölf oder vierundzwanzig Stunden, je nach den Umständen, gab ich dann die zweite Gabe coloc. Gewöhnlich war innerhalb der nächsten Stunden schon wieder Kaffee nöthig, jedoch konnte ich deutlich bemerken, daß die Verschlimmerung auf die zweite Gabe nicht nur später eintrat, sondern auch geringer war, daher diesmal weniger Kaffee verbraucht wurde. In einem größern Zwischenraume, sobald sich die Krankheit erhöhete, gab ich die dritte Gabe des Heilmittels. In den mehrsten Fällen war nun nichts weiter mehr nöthig; die Krankheit verschwand bald völlig, die Leidenden kamen schnell zu Kräften, und haben auch später (einige sahe ich acht Jahre nachher, andere drei, vier Jahre nachher) keiner von allen wieder Anfälle gehabt. Nur in einigen Fällen war nach der dritten noch eine vierte Gabe nöthig. Die Regel ist immer, daß man die Wiederholung fortsetzt; wo möglich in zunehmenden Zwischenräumen, und so lange das Gegenmittel auf die Gabe folgen läßt, bis die eintretende Erhöhung leicht und erträglich ist. So habe ich dies fürchterliche Übel von 1828 bis 1833 oft behandelt, und immer mit gleich glücklichem Erfolge in drei, vier Tagen geheilt, ohne daß jemals Nachwehen zurückgeblieben wären. Letztes erwähne ich ausdrücklich, indem ich auf Hartmanns Therapie, 2ten Th. S. 493, 494 - verweise, wo derselbe sich über bleibende Nachwehen beklagt.

Dasselbe Verfahren bewährte sich in andern Krankheiten mit conium und Kaffee, mit sepia und Essig; wird es vielleicht mit Phosphor und Opium. In der Gicht, bei den heftigsten Anfällen, wird man auf diese Weise viel ausrichten. Auch des Weines, des Eierdotters, des Öls kann man sich auf ähnliche Weise bedienen. Der häufige Zwischengebrauch der ipecacuanha , des aconitum und der chamomilla u.a. gehört hieher. Es giebt kein Gegenmittel, welches geradazu völlig aufhebt; das stärkere Mittel wirkt immer durch die nächsten schwächern noch hindurch, es sind immer nur Beschränkungsmittel. Kampfer auf die angeführte Weise ist nur nach wenigen Mitteln passend, obwohl er die Wirkung der meisten im Anfange minder fühlbar macht. Spirit. nitri dulcis scheint die Beschwerden dadurch zu mindern, daß die Mittel schneller ihre Wirkung nach der Haut richten. Hepar sulphuris beschleunigt die Eiterung in der Gegenwirkung, und eben so jede andre Hautausstoßung. Diese verschiedenartigen Gegenmittel bewirken eben so verschieden dasselbe, wie etwan arnica und Kaltwasser bei Wunden wohlthätig wirkt. Arnica ist wohlthätig, weil es die bei Wunden unentbehrliche Entzündung vermehrt, beschleunigt und dadurch schnelle Heilung zur Folge hat, aber es vermehrt nicht primär, sondern sekundär, daher es bei gefährlichen Entzündungen nicht gegeben werden darf. Dagegen immer muß gegeben werden, wo man Entzündung haben will. In so fern ist es ganz das Gegenstück von aconit. Ähnlich der arnica , wirkt kaltes Wasser, was primär die Entzündung vermindert, sekundär beschleunigt. Ähnlich der arnica , jedoch nicht die Entzündung, sondern die Eiterung beschleunigend, ist die Wirkung des hepar sulphuris . Man kann es überall, wo man die Eiterung befördern will, mit dem größten Erfolge anwenden, ganz besonders aber nach einem passenden antipsorischen Mittel. Man kann dadurch eben so oft das Messer ersparen, als durch aconit die Aderlaßlanzette. Bisher ließ ich immer nur riechen an 1/10 Gran der dritten, oder vierten Verreibung, und habe dadurch gewöhnlich die künstliche Öffnung erspart. Meist öffneten sich die Abscesse, oder Panaritien in vierundzwanzig Stunden, zuweilen auch, je nach den Umständen, erst nach zwölf, vierundzwanzigmaligem Riechen in drei Tagen. Ich bleib dabei, besonders wenn ich vorher Zink, silicea , Arsenik, mercur, bellad., dulcam. oder ein anderes Mittel gegeben hatte, so lange als es nur irgend thunlich war, weil ich die künstliche Öffnung immer für eine schlechte Hülfe halte, besonders in der Nähe von Drüsen und Lymphgefäßen. Die natürliche Öffnung hat bei homöopathischer Behandlung sehr große Vorzüge. Die künstliche ist nur dann zuläßig, wo man unter zwei Übeln das kleinste wählen muß.
Bei der schnellen Folge zweier Mittel, vor allem bei der Wechselwiederholung, ist, eben so wie bei der Folge der Mittel nach ablaufender Heilwirkung, die Zeichenverwandtschaft sehr zu berücksichtigen, und das Gesetz der bessern Folge der zweichenverwandten Mittel aus verschiedenen Reichen, oder Familien und Klassen, die sich bei chemischen Präparaten freilich bis jetzt noch schwierig bestimmen lassen, hat sich mir sehr oft dabei bestätigt. Auch deswegen ist eine Diagnostik so sehr wichtig.
Eine dritte Art der Wiederholung, noch wichtiger als die vorige, ist die in den letzten Jarhren viel besprochende, die desselben Mittels in schneller Folge bis zur Heilwirkung, um diese eher zu erlangen; d.i. die Wiederholung der Gabe . Den Grund hiezu legte Hahnemann durch seine Anweisung zum Prüfen mit X, mehrere Kügelchen alle drei bis vier Tage wiederholt gegeben. Hartlaub war der erste, der die Heilung eines psorischen Übels durch wiederholte Gaben berichtete; Wolf der erste, der die Wiederholung der Gabe anrieth, als in vielen chronischen Fällen wesentlich nothwendig, und die Sache so zur Sprache brachte.
Was Hahnemann später darüber ausgesprochen hat, ist mir leider noch nicht bekannt. Bei meinen ersten Versuchen mit wiederholten Gaben, die ich erst unternahm, als ich von Stapf die wichtige Nachricht empfangen hatte, legte ich die alte Regel zum Grunde, und wiederholte in zunehmend größern Zwischenräumen. Es mochte das Mittel gar keine Veränderung bewirken, oder bloße Erhöhung, es wurde stets wiederholt bis deutliche Opposition eintrat. Hierauf noch einmal genommen, was von einigen entfernten Kranken, trotz der gegebenen Vorschrift, gethan wurde, war es meist sehr schädlich. Die zweite Regel war: sobald sich neue Symptome zeigten von einiger Bedeutung, mußte sogleich ein anderes Mittel gegeben werden, und zwar eins, was besonders auch jenen neuen Zeichen mit entsprach.
Die bekannte einmalige Wiederholung der Gabe bei ignatia und bryonia den andern Tag, (oder auch nach zwölf Stunden) die nöthig ist, sobald sehr schnelle, aber kurz dauernde Besserung einritt, welche Wiederholung aus demselben Grunde auch bei Magnet oft nöthig wird, und öfter noch derselbe Pol zweimal, als dann der andere; ebenfalls auch bei veratrum in den schlimmsten Fiebern, vielleicht auch bei belladonna ; - gab die Anleitung zu zweimaligen Gaben der länger wirkenden Mittel, wie ich es schon längere Zeit bei silicea, carbo vegetabilis und causticum mit vielem Erfolg gethan habe. Man hat dies gewöhnlich palliative Wirkung genannt, wenn ein sehr schnelles Mindern der Symptome, und dann erst eine Erhöhung folgte, aber es ist eigentlich nur kurzdauernde Heilwirkung, daher nicht palliativ im Sinne der alten Schule. Eben so wie es unrecht ist, die Heilung psorischer Beschwerden durch kurzwirkende Mittel für eine kurze Zeit palliativ zu nennen. Palliativ wirken die Mittel nur in größern Gaben, wenn sie das Gegentheilige der Krankheit in ihrer Erstwirkung haben. Sogar die Anwendung des Opium in manchen Koliken ist nicht palliativ, denn ich weiß bestimmt, daß sie das Opium in seiner Erstwirkung erregt.


Man kann die Gaben wiederholen, 1) wenn keine Reaction kommt, und zwar sobald man sich davon überzeugt, es sey den nächsten Tag, oder einige Tage später. In sehr schmerhaften Übeln, mögen sie noch so chronisch seyn, braucht man, so wenig wie in sehr akuten, nie lange zu warten, es muß die Heilwirkung in diesen Fällen schnell kommen. Über die Gabenwiederholung jeden vierten, oder jeden siebenten Tag habe ich zu wenig Erfahrungen; in den bisher so behandelten Fällen gieng es viel zu langsam. Günstige Erfahrungen habe ich in vielen Fällen gemacht bei der Wiederholung nach dem Gesetze: die Wirkung der ersten Gabe einen Tag, die der zweiten zwei Tage, der dritten drei Tage u.s.f. abzuwarten, immer jeder folgenden Gabe einen Tag länger Zeit zu lassen, also zu geben den ersten, zweiten, vierten, siebenten, eilften und sechzehnten Tag, bis entweder Reaction kam, oder neue Symptome. Eins von beiden mußte durchaus kommen. Die Reaction wurde abgewartet, die neuen Symptome aber durch ein passenderes Mittel zugleich mitgedeckt.
Man kann 2) die Gabe wiederholen, wenn die Verschlimmerung zu stark ist, jedoch hier höchstens noch ein zweites Mal, mehrst lieber wie oben, ein Gegenmittel dazwischen. Sowohl bei kurzwirkenden, als langwirkenden Mitteln habe ich öfters die Verschlimmerung durch dasselbe Mittel gehoben; besonders seit ich bei meinen Prüfungen sah, daß die folgende Gabe oft die von der vorigen erzeugten Symptome auslöschte, und seit ich mich von der Heilkraft der Potenzen gegen Vergiftung durch dasselbe Mittel - also doch homöopathisch - in manchen Fällen überzeugt, z.B. bei china, plumbum, mercur u.a., und seit ich erfahren, was in meinem "Arzneireich" erzählt wird, daß coffea, tabacum u.a. doch oft in Potenzen wirken, da, wo sie täglich gebraucht wurden.
Man kann 3) die Gabe wiederholen, wenn die Reaction zwar eintritt, aber zu kurz ist, d.h. palliativ zu seyn scheint. Auch hier ist gewöhnlich die zweite Gabe den nächsten Tag hinreichend.
Man kann sehr oft bemerken, daß die erste Gabe den ersten Tag gar nichts bewirkt, die zweite den zweiten Tag nur sehr geringe Opposition erregt, die den dritten Tag wieder zu Ende geht, die dritte Gabe den vierten Tag (vom Anfange an gezäht) bewirkt in den meisten Fällen eine längere Reaction, oft anhaltende, wo nicht, so doch den siebenten Tag die vierte Wiederholung. Zuweilen ist diese Wiederholung nöthig in noch mehr zunehmenden Zwischenräumen, als wie oben angegeben, statt den ersten, zweiten, vierten, siebenten, eilften, funfzehnten Tag, z.B. den ersten, zweiten, fünften, neunten, funfzehnten u.s.f., was sich im Voraus nie bestimmen läßt. Immer wird es fortgesetzt bis zur Opposition. Auch muß man sich wegen den anfänglichen Zwischenräumen ganz nach der Art der Krankheit richten, und weit mehr als nach der gewöhnlichen Wirkungsdauer des Mittels. Bei sehr heftigen Übeln wartet man, ist das Mittel kurzwirkend, nur zehn bis funfzehn Minuten, ist es langwirkend, nur einige Stunden, bei minder heftigen Übeln einen Tag, bei sehr langsamen einige Tage. Die folgenden Zwischenräume müssen, wo möglich, größer werden.
Die Wiederholung der Gabe nach zu kurzer Heilwirkung macht den Übergang zur vierten Art der Wiederholung überhaupt, nach der eingetretenen, anhaltenden, aber wieder zu Ende gegangenen Heilwirkung, welche ich zur Unterscheidung nennen möchte: Erneuerung der Gabe .
Die Erneuerung der Gabe nach deutlicher Besserung durch die erste, wurde zuerst als wichtig vorgeschlagen, und durch Erfahrungen bewiesen von Hartmann mit aconit. Gleiche Erneuerung haben wir, gestützt auf dieses, und darauf, daß bei allen Gegenmitteln (camph.; sp. nitr. dulc.; acid. acet; hep. sulph.; coffea tosta) die ofte Wiederholung oder Erneuerung sich bewährt hatte, mit den erwähnten Mitteln in sehr akuten Fällen versucht (z.B. oft erneuerte Gabe von Wasser mit einigen Tropfen sp. nitr. dulc. bei den lebensgefährlichen Zufällen nach Erkältung im Nervenfieber, bei kurz vorher gegebener belladonna .) und sodann auch mit coffea cruda X; ipecac. X ; Opium und laurocerasus .
Hahnemann war der erste, der diese Erneuerung der Gaben auch mit länger, als die obigen wirkenden Mitteln - mit cuprum oder veratrum in der Cholera - anbefahl, wegen der reißenden Schnelligkeit des Übels. Wir haben dies nachher sogleich auch auf andre höchst akute Krankheiten angewandt, und günstige Erfahrung von china, chamomilla, ignat., rhus, bryonia, belladonna u.a. gemacht. Sodann dasselbe bei akuten, minder heftigen Zufällen. Die Wiederholung der arnica , die zuweilen rathsam ist bei Verwundungen, gehört auch hierher.
Endlich wurde diese Erneuerung sogar auch mit den längst wirkenden antipsorischen Mitteln versucht, und günstige Erfahrungen berichtet. Nicht nur in höchst akuten Übeln, sondern auch in den langwierigsten Krankheiten.


Diese letzte Art der Wiederholung steht am strengsten im Widerspruche mit den bisher angenommenen Regeln. Daß man in chronischen Krankheiten, wenn auf ein Mittel gehörige Reaction eingetreten ist, gehörige Zeit anhält, und endlich nach dreißig, vierzig, funfzig oder mehr Tagen erlischt, daß man dasselbe Mittel auf's Neue geben könne, würde ich ganz bezweifelt haben, hätten nicht die Berichte erfahrener und achtbarer Ärzte dafür gesprochen. Ich habe bisher nur wenig Erfahrungen darüber, und diese wenigen sprechen gar nicht dafür. Es wird eine der schwierigsten Aufgaben seyn für unsre Therapie, die Regeln zu bestimmen, nach der man diese Erneuerung der Gabe wagen darf. Denn daß man eben so oft dadurch schaden kann, ist jedem bekannt. Mir sind einige Fälle, wo durch Zufall, Irrthum, oder Nachläßigkeit die Gabe erneuert wurde nach abgelaufener Heilwirkung nur zu wohl erinnerlich, und ich habe jedesmal davon Nachtheil gesehen. Ja was noch mehr ist, ich habe bedeutende Beschwerden entstehen sehen, wenn die antipsorische Behandlung, wie das ja so sehr oft vorkommt, war unterbrochen worden, oder wegen genügender Heilung aufgehört hatte, und nach Pausen von mehreren Monaten, je nach acht, zehn, zwölf Monaten, wieder mit demselben Mittel eröffnet wurde, welches vor der Pause das letzte gewesen war. In einem solchen Falle war mit silicea geschlossen worden, und zehn Monate später bei neuem Erkranken waren die Symptome so überaus passend für silicea - obwohl ganz andere als dieses Mittel das vorige Mal beseitigt - so daß ich dasselbe auf's Neue gab. Sie hatte eine kaum zu bezwingende Erhöhung aller Zeichen zur Folge. Dadurch aufmerksam gemacht, verglich ich in meinen Büchern alle ähnliche Fälle, und es war auch bei andern Mitteln derselbe Nachtheil gefolgt. Nur dann nicht, wenn eine allöopathische Behandlung die Wirkung der ersten Gabe unterbrochen hatte.
Da sich nicht mehr bezweifeln läßt, daß diese Erneuerung in den geeigneten Fällen von unersetzlichem Werthe sey, so müssen die Regeln gesucht werden. Vielleicht ist es die Art mancher Mittel, daß sie nicht mehrmalen heilen, und anderer, daß sie es thun. Vielleicht sind es die Krankheitsfälle, nach denen man sich richten kann.
Als Hauptregel muß man annehmen, nur dann solch eine Erneuerung zu wagen, wenn die Zeichen genau dieselben wieder sind; und eine dritte, oder mehrmalige vielleicht auch nur, wenn die Zwischenräume größer werden. Die Gleichheit der Zeichen muß vollkommen seyn. Weniger Zeichen, oder dieselben schwächer, gilt auch für gleich. Nicht aber, wenn bei der wieder sich erhebenden Krankheit neue Zeichen entstehen neben den alten, gesetzt auch, daß diese neuen Zeichen ebenfalls in demselben zuletzt gegebnen Mittel enthalten wären. Denn was ich schon vor mehreren Jahren bemerkte und mittheilte, was aber unberücksichtigt geblieben ist, das hat mir die Erfahrung seitdem fortwährend bestätigt, daß nämlich die nach ablaufender Heilwirkung wieder sich erhebenden Symptome, gewöhnlich unter den Zeichen des letztgereichten Mittels ganz gleich, oder doch sehr ähnlich enthalten sind. In einzelnen Fällen, wo sie es nicht waren, wie z.B. einst Knochenbeulen entstanden bei ablaufender Wirkung des ammonium carb. , haben mir spätere Prüfungen gezeigt,daß das Mittel sie erregen könne, wie dies mit ammonium wirklich der Fall war.
Die Erneuerung der Gabe ist vielleicht rathsam, wo, außer der Gleichheit der Zeichen, auch die letzte Reaction ungenügend, unterbrochen war. Am seltensten schien sie mir nach einer besonders anhaltenden und hülfreichen Gegenwirkung dienlich zu seyn. Hat sich die Lebenskraft in der Richtung gegen ein Mittel gleichsam erschöpft, so wird es erneuert nur schaden. Rathsam ist die Erneuerung bei fortwirkender gleicher Ursache, sie bestehe nun in schädlichen Einflüssen durch Gewerke, Umgebung, Gewohnheiten, oder in Gemüthsbewegungen. Wenigstens lassen sich dann kurzwirkende Mittel am ehesten wiederholen. Minder wenn es in klimatischen Einflüssen zu suchen ist, die immer dann erst nachtheilig werden, wenn die gesunde Opposition des Lebens gegen klimatische Veränderungen im Allgemeinen fehlt, oder geschwächt ist. Dann wird man durch Autopsorin und durch abwechselnd angestellte Prüfungen am mehrsten ausrichten. Vielleicht ist auch die Erneuerung rathsam, wenn die fortwährende Ursache der Beschwerden in der Krankheit selbst liegt, d.i. in krankhaften Produktionen, substantiellen Veränderungen, die fortwährend Symptome erzeugen, gegen welche besonders man das Mittel richten muß, z.B. Verhärtungen der Eingeweide und andrer Organe, im Gehirn u.s.w.; Drüsensteine in den Thränen-, Speiche- und Magendrüsen, oder in den Nieren, oder Gallensteine; Herzveränderungen, Eingeweidewürmer u.a.m. Vielleicht auch bei Hautverbildungen und Gewächsen, Lepraknollen, Polypen, Muttermäler u.dgl. Bei Aneurismen half der hier spezifische Arsenik in der erneuerten Gabe nichts mehr.
Die wichtigste von allen Wiederholungen, und eine der größten Entdeckungen für unsre Praxis, ist Aegidis Wiederholung der Gaben in Wasser. Seine einzige Heilgeschichte mit phosphor , täglich gegeben in einer großen Menge Wasser aufgelöst, macht einen neuen Zeitraum in unsrer Therapie.


Da ich so glücklich war, durch die nähere Verbindung mit meinem Freunde Bute hier in Philadelphia sogleich in eine bedeutende Praxis zu kommen, die sich dann auch schnell noch sehr vermehrte, so daß in Zeit von zwei Monaten die Zahl unsrer Kranken gegen dreihundert betrug, so ergab sich uns die Gelegenheit sehr bald, über diese Anwendungsart der Mittel vielseitige Erfahrung zu machen. Bei allen sehr empfindlichen Kranken bewährt es sich wohlthätig. Eben so bei allen sehr schmerzhaften Übeln, und in vielen Kinderkrankheiten. In allen Fällen, wo man fast nur Erstwirkungen der Arzneien sieht, oder wo die Reactionen nicht anhalten wollen, wo die Wiederholungen sogar nicht vermögen sie zu bewirken, da werden immer die Mittel auf diese Weise gut vertragen, und bald auch die Heilwirkungen dauernder. Zu lange fortgesetze Wiederholung machte hierbei geringere Nachtheile. Erneuerungen wurden gut vertragen. Unpassende Mittel erzeugten ebenfalls Symptome, aber sie waren leichter zu beschwichtigen, und helfen bald zur Wahl des passenden Mittels. Ein Kranker, der das Riechen an ein senfsaamengroßes Streukügelchen der X Potenz, kaum vertragen konnte, und immer tagelange Beschwerden davon bekam, fühlte doch von denselben Mitteln nur wenig, wenn er sie auf obige Weise nahm, und es trat bald eine gehörige Heilwirkung ein. Immer wurde hiebei ein einziges Körnchen von Senfsaamengröße in vier bis sechs Unzen Wasser gethan, in ein halbvolles Trinkglas, durch zehn bis zwölfmaliges Umrühren die Kraft darin verbreitet, und davon ein Eßlöffel voll genommen. Chamomilla und Bryonia leisteten in den peinlichsten Neuralgien auf diese Weise große Dienste, zuweilen sogar alle Stunden wiederholt. In gefährlichen Fiebern, auch in der Cholera, wird diese Anwendung vom größten Erfolge seyn. Bald wird jeder homöopathische Arzt eben so oft Flaschen voll mit Arznei geschwängerten Wasser seinen Kranken geben, als Pülverchen.
Sobald als möglich, möchten nun Versuche angestellt werden mit Potenzirungen, durchgängig in größeren Mengen des Vehikels, als bisher, z.B. Verdünnung vom Anfange an mit 1000 Tropfen; durch Aegidis Entdeckung werden sie doppelt wichtig. (S. Archiv XII. 1. S. 133.)
Wollen wir fünf Unzen Wasser allgemein festsetzen als Vehikel, so werden unsere Erfahrungen gleichmäßig seyn. Man kann leicht die Gaben, je nach der Empfänglichkeit der Krasnken, steigern und nachlassen; indem man bald ein, bald mehrere Körnchen, bald einen ganzen Tropfen der X Potenz hinzusetzt. Man kann bis fünfmal schütteln, wenn die Flasche etwan 2/3 voll ist, so wie eine Flasche, die acht Unzen hält, mit fünf Unzen Wasser, oder man lasse nur im Glase umrühren etwan zehnmal. Gewiß muß auch hier das Schütteln und Rühren beschränkt bleiben, wenn nicht, was die große Menge des Vehikels zur Linderung der Arzneikraft beiträgt, wieder durch zu viel Schütteln verloren gehen soll.
Auf diese Weise werden wir die stärksten Mittel ruhig in akuten Krankheiten geben, und die akuten Mittel in socher Gabe alle fünf bis zehn Minuten erneuern können. Ipecacuanha wirkt auf diese Weise - X0 in fünf Unzen Wasser zehnmal gerührt - höchstens funfzehn Minuten lang. Möge diese neue Anwendungsart recht bald allgemein werden und zu vielen segensreichen Erfahrungen führen. Eben so wie die Wiederholung der Gaben in chronischen hartnäckigen Übeln uns weit schnellere Resultate verschafft, so wird dieses Reichen der Mittel in Wasser bei den akutesten Entwickelungen der Psora, bei allen heftigen Krankheiten, von ganz außerordentlichem Nutzen seyn. Und "unsre wohlthätige Kunst" wird auf diesem neuen Wege leisten, was man bisher noch kaum von ihr durfte erwarten.
Geschrieben am 13. Juni 1833.
© Hahnemann Institut


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